Elternredaktion

Liu aus China: Ich liebe die Cartoons im deutschen Kinderfernsehen!

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Vor zwei Jahren bin ich von Peking nach Berlin gezogen. Seitdem lerne ich auch Deutsch an der Volkshochschule. Vorher konnte ich nur “Hallo” und “Tschüss” sagen, inzwischen kann ich mich mit Deutschen unterhalten. Ich bin Chinesisch-Lehrerin und wenn mein Deutsch perfekt ist, möchte ich auch in Deutschland wieder Chinesisch-Unterricht geben.

Als ich nach Berlin kam, ging ich mit meinem Kind in das Familienzentrum auf der Fischerinsel hier in Berlin-Mitte. Da wurde mir sehr geholfen und deshalb wollte ich auch mitarbeiten, um anderen Familien zu helfen. Jetzt engagiere ich mich manchmal ehrenamtlich im Familienzentrum beim Treffen von Müttern mit ihren Babys.

Mein Sohn ist vier Jahre alt und geht in die Kita, da lernt er sehr schnell Deutsch. In der Familie mit meinem Mann und dem Kind sprechen wir Chinesisch. Manchmal versuchen wir auch, uns auf Deutsch zu unterhalten, was immer lustig ist.

Ich habe großes Interesse an der deutschen Sprache, aber sie ist schwer zu erlernen. Ich habe viele deutsche Freunde, mit denen ich mich auf Deutsch unterhalten kann. Wir sprechen über das Leben in Berlin und unsere Hobbys. Wir lieben Berlin und als Familie fühlen wir uns schon als Berliner. Wir waren auch einmal in Paris, doch Berlin lieben wir mehr!  Hier gibt es so schöne Parks, den Zoo und den Tierpark, so viele Museen und Konzerte.

Im Fernsehen schaue ich mir die Cartoons im Kinderprogramm an. Ich liebe das deutsche Bier und die Currywurst. In Berlin sind einige chinesische Restaurants ganz okay, aber meine Mutter kocht besser. Zuhause koche ich natürlich vor allem chinesische Gerichte, aber ich kann auch deutsches oder italienisches Essen kochen.

 

Layal aus dem Libanon: Deutsch lerne ich für mein neues Leben in diesem Land.

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Seit drei Jahren bin ich in Deutschland, seit zwei Jahren lerne ich Deutsch. Ich will Kontakt zu den Leuten hier bekommen, da muss ich sie verstehen können. An der deutschen Sprache finde ich die Grammatik am schwersten. Lustig finde ich, wenn deutsche Leute schnell miteinander reden. Da muss ich mich ganz schön konzentrieren, um noch zu verstehen, worüber sie reden. Durch meine guten Englischkenntnisse kann ich häufiger deutsche Vokabeln verstehen, weil manche Wörter aus beiden Sprachen ähnlich sind.

Ich bin Englischlehrerin und kann auch mit meinen Abschlüssen und achtjähriger Berufserfahrung mit Studenten an der Hochschule in Deutschland arbeiten.

Da ich in Afrika geboren wurde, habe ich schon als Kind Englisch gesprochen, so dass ich mich fast besser im Englischen auskenne als in meiner arabischen Muttersprache.

Mein  Sohn ist zweieinhalb Jahre alt. Er versteht drei Sprachen: Arabisch ist die Familiensprache, ich spreche mit ihm Englisch als wichtige internationale Sprache und Deutsch spricht er mit seinem Papa, mit Nachbarn und im Kindergarten. Im Libanon lernen die Kinder immer an erster Stelle Arabisch als Muttersprache, in der Schule lernen sie dann noch die Fremdsprachen Englisch und Französisch.

Ich sehe mir viele deutsche Filme im Fernsehen mit meinem Mann an und wir sprechen darüber. So kann ich durch das passive Hören schon viel verstehen.

Mit dem Essen hier in Deutschland habe ich kein Problem, weil mein Mann Küchenchef in einem großen Restaurant ist. Er kocht professionell und international und das schmeckt natürlich immer gut.  Ich koche aber auch gerne arabische Gerichte. Als ich nach Deutschland kam, hat mir mein Mann viele interessante Orte und Sehenswürdigkeiten gezeigt. Wir sind immer viel in Berlin unterwegs, aber auch in Hamburg, wo ich Verwandte habe.

Petra aus Tschechien: Bei der Arbeit als Krankenschwester muss ich ständig Deutsch sprechen.

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Ich bin Krankenschwester und mein Mann Logistikkoordinator für medizinische Hilfsprojekte bei der internationalen Organisation “Ärzte ohne Grenzen”. Wir hatten uns im Südsudan bei der Arbeit kennengelernt. Nach Afrika haben wir zwei Jahre in den Niederlanden gelebt, bevor wir nach Berlin kamen, wo mein Mann auch herkommt.

Wir haben zwei Töchter, die älteste ist vier und die jüngste eineinhalb Jahre alt. Mein Mann spricht mit den Mädchen Deutsch, ich Tschechisch, im Familienalltag Familie sprechen wir meist Englisch. Die älteste Tochter kann inzwischen fließend Deutsch und Tschechisch sprechen und Englisch kann sie verstehen.

Ich lerne seit zwei Jahren Deutsch, durch die Schwangerschaft gab es einige Unterbrechungen. Aber jetzt lerne ich intensiver und wenn die jüngste Tochter einen Kita-Platz hat, werde ich noch mehr lernen können. Dann würde ich gerne einen Praktikumsplatz oder einen Minijob als Pflegehelferin bekommen und hätte noch mehr Gelegenheiten, bei der Arbeit mit den Patienten Deutsch zu sprechen. Später möchte ich gerne in der Hauspflege arbeiten. Das wäre besser mit der Familie zu vereinbaren als eine Arbeit im Krankenhaus, wo die Arbeitszeiten immer wechseln.

Früher fand ich die deutsche Sprache nicht schön. In der Schule hatte ich Französisch und Englisch, wobei Französisch meine Lieblingssprache war. Inzwischen gefällt mir der deutsche Akzent aber sehr viel mehr als am Anfang. Sicherlich wird diese Sympathie auch dadurch beeinflusst, weil mein Mann und meine Kinder Deutsch sprechen.

Neben dem Deutschkurs habe ich auch in der Kita der älteren Tochter viele Gelegenheiten, mit Erzieherinnen oder Eltern Deutsch zu sprechen. Auch mit den deutschen Freunden meines Mannes habe ich ständig Übung in der neuen Sprache. Allerdings wird im Freundeskreis immer wieder schnell ins Englische gewechselt. Das Problem ist meist, dass ich gerne etwas Bestimmtes sagen möchte, dazu reicht dann aber mein Deutsch nicht aus und ich wechsle wieder schnell ins Englische.

Berlin finde ich sehr schön mit den vielen Parks und den Waldgebieten. Hier lässt es sich gut mit dem Fahrrad fahren.

 

Beata aus Polen: Berlin ist eine schöne Stadt für Familien mit Kindern

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Ich lebe seit drei Jahren in Berlin, nachdem mein Mann hier eine sehr gute Arbeit gefunden hat. Unsere Söhne sind zweieinhalb und fünfeinhalb Jahre alt. Beide sind in der Kita und sprechen dort Deutsch. Zuhause sprechen wir in der Familie immer Polnisch.

Seit 2 Jahren lerne ich Deutsch und besuche den Berufsbezogenen Deutschkurs B1+/B2 im Familienzentrum Fischerinsel. In Polen habe ich als Fremdsprache Englisch gelernt. Ich bin Buchhalterin und möchte wieder in meinem Beruf arbeiten. Jetzt mache ich ein Praktikum an zwei Tagen in der Woche in einer Berliner Rechtsanwaltskanzlei, die Mandanten in Polen und Deutschland betreut. Dabei kann ich mein Deutsch verbessern und neue Berufserfahrungen sammeln.

Ich finde die deutsche Grammatik nicht so schwer, denn sie ähnelt etwas der polnischen. Schwieriger finde ich die deutsche Aussprache. Manchmal, wenn ich etwas auf Deutsch sage, verstehen mich die Leute nicht. Ich mache zuhause viele grammatische Übungen und sehe mir jeden Abend deutsche Filme an, die wir über einen Streaming-Dienst abrufen können.  Zum Beispiel habe ich zuletzt den Film “Dark” gesehen, der eine Mischung von Krimi und Fantasy ist. Ich lese auch gerne deutsche Artikel im Wochenmagazin “Der Spiegel”, die immer interessant sind.

In der Kita meiner Söhne habe ich eine Freundin gefunden, mit der ich Deutsch oder Englisch spreche. Berlin ist eine schöne Stadt, weil es viele Plätze für Familien mit Kindern gibt. Und hier leben Menschen gut zusammen, die, wie ich, aus anderen Ländern gekommen sind.

Katarzyna aus Polen: Mein Sohn hat schnell Deutsch gelernt und ist nun mein Übersetzer

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Seit einem Jahr lebe ich  in Berlin, lerne intensiv Deutsch und eine neue Kultur kennen. Ich habe Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt auf Resozialisierung studiert. Der Elternkurs ist für mich zeitlich günstig, weil ich als Mutter eines siebenjährigen Sohnes und Schülers vormittags Zeit zum Deutschlernen habe. Mein Mann ist Deutscher und wir sprechen in der Familie immer Deutsch. Lernen war schon in meinem Elternhaus immer sehr wichtig. Meine Mutter ist Bewährungshelferin und mein Vater Richter.  Ich will gut Deutsch können, um später in meinem Beruf arbeiten zu können. Mein Sohn hat sehr schnell Deutsch gelernt; bis wir nach Berlin zogen, sprach er ja nur Polnisch. Jetzt ist er mein Übersetzer und korrigiert mich immer, wenn ich falsches Deutsch spreche. Mit ihm gehe ich oft seine Hausaufgaben durch, dabei lerne ich auch viel. In der Schule meines Sohnes im Wedding sprechen die Eltern viele Sprachen und wir versuchen alle, uns auf Deutsch zu unterhalten. Auch im Freundeskreis meines Mannes wird nur Deutsch gesprochen. Wenn ich mal ein Wort nicht verstehe, schreibe ich es auf und hole mir die Übersetzung aus dem Internet. Die deutsche Aussprache ist für mich o.k.; nur richtig grammatisch zu sprechen, finde ich schwer. Besonders Dativ und Akkusativ sind schwierige Themen in der deutschen Grammatik.

LORENA aus Brasilien: Deutsch spricht man mit dem Hals, Portugiesisch mit dem Mund

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Ich komme aus Brasilien. Seit einem Jahr bin ich in Berlin, wo ich in Prenzlauer Berg wohne. Meine Familie ist total international: Meine Omi kommt aus Polen, mein Opi aus Deutschland und mein Mann aus Italien. Durch den Großvater hatte ich auch schon in Brasilien Kontakt mit der deutschen Sprache.

Im Juni werde ich ein Baby bekommen, dann mache ich eine Babypause und im nächsten Jahr will ich den Deutschkurs weiter besuchen. Ich bin Krankenschwester und möchte auch wieder in meinem Beruf arbeiten. Dafür muss ich intensiv Deutsch lernen.

Ich gehe gerne in den Deutschkurs und lerne zu Hause auch viel Deutsch. Die Atmosphäre im Kurs gefällt mir sehr gut. Die Lehrerin unterstützt uns stark, so macht das Lernen Spaß. Das Portugiesische und das Deutsche unterscheiden sich sehr stark. Die lateinische Phonetik wird mit dem Mund gestaltet, während die deutsche Phonetik im Hals gebildet wird. Auch andere Brasilianer im Kurs sagen, dass es für sie schwierig ist, die typischen deutschen CH- oder SCH-Laute auszusprechen. Ich schreibe mir immer die entsprechenden Wörter auf und spreche sie zu Hause immer wieder aus. Solche Wiederholungen sind als Übung der beste Weg, um die fremde Sprache zu lernen. Neben dem Sprachlehrbuch nutze ich das Internet und sehe mir Filme in deutscher Sprache auf YouTube an. Besonders gefallen mir in der deutschen Sprache die weichen Endungen der Kosenamen, wie Evi, Mischi, Flori, Mami, Omi. Das klingt sehr schön.

Mein Freundeskreis in Berlin ist sehr international. Neben Brasilianern habe ich schon viele Deutsche kennengelernt. So habe ich ständig Gelegenheiten Deutsch zu sprechen. Ich höre auch gerne Kinderlieder und singe dann den deutschen Text nach. Das ist ganz einfach und ich kann viel verstehen.

Unser Kind soll mehrsprachig aufwachsen. Ich werde mit dem Baby Portugiesisch und mein Mann Italienisch und auch Englisch sprechen und in der Kita lernt das Kind dann Deutsch. Mal sehen, wie das geht, aber Kinder lernen ja schnell viele Sprachen.

 

 

 

Letztes Treffen Zeitungskurs im Januar 2018

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Über das letzte Treffen des Zeitungskurses an der VHS Mitte schreibt Ruhat Gülcin Günekti:

 

Am 9. Januar 2018 hatte der Zeitungskurs mit einigen Teilnehmer_innen seinen Abschiedsabend. Das Projekt ist uns wirklich gut gelungen, denn unsere Erfahrungen konnten wir in unserer Zeitung HalloMitte veröffentlichen. Das Projekt der Volkshochschule Berlin Mitte war für 2 Jahre finanziell abgesichert.

Wir trafen uns zweimal  in der Woche. An einem Tag lernten wir Techniken der Fotografie, am anderen Tag bearbeiteten wir die Texte für die Zeitung.

Wir haben bei der Zusammenarbeit viel voneinander gelernt über die interessanten Lebensumstände in anderen Ländern.

Die Resonanz der Leser_innen von HalloMitte  war immer positiv. Wir haben eine kleine Spur hinterlassen. Wir wären natürlich sehr froh, könnte es zu einer Neuauflage dieses Projektes kommen.

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HalloMitte-Autor_innen in Weddinger Bürgerzeitungen

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In den letzten Ausgaben der beiden Weddinger Bürgerzeitungen deinKiezbote und PANKER65 erschienen vier Beiträge von HalloMitte Autor_innen.

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Von Xincheng Lu erschien der Artikel über “Chinesische Langlebigkeitsnudeln” im Rezepteteil des Kiezboten Ausgabe 3 / 2017 Oktober.

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Von Fidan Topyürek erschien das Rezept über “gefüllte Weinblätter” im Kiezboten Ausgabe 2 / 2017 August.

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Das Gedicht “Grenzkontrolle” von Osman Sana erschien ebenfalls im Kiezboten Ausgabe 2 / 2017 August

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Die Kurzgeschichten “Szenen am Leopoldplatz” von Wei Jing, Silvia Eleonora Longo, Ruhat Gülcin Güncekti, Li Zha und Siret Cansu Ceylan erschienen im Panker65 Ausgabe 3, 2017

Die Zeitungen sind erhältlich:

PANKER65 – Büro des Quartiersmanagment Pankstraße, Prinz-Eugen-Straße 1, 13347 Berlin

deinKiezbote – Sprengelhaus, Sprengelstraße 15, 13353 Berlin

 

 

 

 

 

 

 

MoabitOnline bringt Artikel “Obdachlos” aus HalloMitte3

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Der Artikel “Menschen wie du und ich” von Ivanea Samardic aus HalloMitte3 wurde von MoabitOnline übernommen und ist jetzt in dem Online-Stadtteilmagazin veröffentlicht.

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Der Artikel ist unter dem Link http://www.moabitonline.de/28908  zu finden.

 

„Ich möchte anderen Menschen ein Fenster öffnen“

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Interview mit der türkischen Autorin Ruhat Gülçin Günekti über ihr neues  Buch „Berlin Ihlamur Kokarken“ (Während es in Berlin nach Linden duftet) und ihren Frauen-Blog. Eine Buchbesprechung finden Sie in „Hallo Mitte“ – Ausgabe 3.

Ruhat Gülçin Günekti aus der Türkei lebt seit 2003 in Berlin und betreibt den Blog Kadının Kaleminden (Frauen-Stift), in dem Frauen aus aller Welt schreiben können. Sie setzt sich für Demokratie und Menschenrechte ein. Nach ihrem Studium in der Türkei arbeitete sie in Istanbul als Betriebswirtin. In Berlin lernte sie Deutsch an der Volkshochschule Berlin Mitte und besuchte  den VHS-Zeitungskurs. Vor kurzem hat sie ihr erstes Buch veröffentlicht, auf Türkisch. Es ist noch nicht ins Deutsche übersetzt. Das Buch besteht aus 13 Briefen und vielen Geschichten über Berlin, über die Türkei und das Leben. Die Ich-Erzählerin schickt die Briefe aus Berlin an eine junge Frau, die in Istanbul lebt und auch Schriftstellerin werden möchte.

Das Interview führte eine Studentin aus Ankara.

Ihr Buch besteht aus Briefen. Warum?
Im Buch schreibe ich die Briefe an eine junge Frau in Istanbul. Das ist Fiktion. In Wirklichkeit haben mich meine Gespräche im Alltag mit vielen jungen Leuten in Berlin und in der Türkei zu den Fragen und Antworten inspiriert, die ich im Buch auf eine einzige Briefpartnerin konzentriert habe.

 Es gibt eine breite Palette von Themen in Ihrem Buch – von der Maus in Ihrer Wohnung bis zu Amnesty International, von deutschen Familienstrukturen und Ihrer eigenen Familie. Sind Briefe eine gute Form, um diese Themen zu kombinieren?

Ja, der Brief ist ein starkes Stilmittel mit vielen Möglichkeiten. Man kann in der Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft schreiben, wie man möchte. Außerdem ist der Brief eine persönliche und ehrliche Form. Meine Mutter ließ mich früher alle Briefe schreiben. Ich war das ruhigste Kind in der Familie, deshalb rief meine Mutter immer mich und sagte: “Diesen Brief schreiben wir auch noch.” (lacht).

Die Sprache Ihres Buches ist flüssig, die Beschreibungen sind stark und einfach. Träumen Sie davon, ein Buch auf Deutsch zu schreiben?

Nein. Ich habe viele deutsche Schriftsteller auf Deutsch gelesen, aber meine Sprachkenntnisse sind nicht gut genug,  um ein Buch auf Deutsch zu schreiben. Aber man kann mein Buch ja professionell ins Deutsche übersetzen.

Was inspiriert Sie zum Schreiben?

Meine erste Geschichte handelte davon, dass ich den Kristallaschenbecher meiner Mutter zerbrochen hatte. Er fiel mir beim Abtrocknen aus der Hand, für sie war er sehr wertvoll. Meine Mutter sagte: “Ach Tochter, das ist egal, davon bricht mein Herz nicht.“ Aber etwas, das meine Mutter liebte, war zerbrochen, und ich war wirklich traurig. In dieser ersten Geschichte wollte ich meine Gefühle ausdrücken, mich entschuldigen. Heute unterhalte ich mich gerne, aber viele Leute haben keine Zeit. Schreiben ist ein gutes Kommunikationsmittel. Wenn ich selbst ein Buch lese, öffnet sich ein neues Fenster für mich. Ich denke oft: Wie gut, dass jemand das geschrieben hat. Ich hoffe, dass denken andere auch über mich. Ich möchte anderen Menschen auch ein Fenster öffnen.

Sie haben einen Blog “Kadının Kaleminden” (Frauen-Stift). In diesem Blog stehen nicht nur Texte von Ihnen, sondern auch von vielen anderen Frauen. Welche Bedeutung hat der Blog für Sie?

Nachdem ich meine ersten Geschichten geschrieben hatte, habe ich handgeschriebene Proben an Kolleg_innen und Freund_innen gefaxt. Sie wollten immer etwas Neues: “Wo ist die nächste Geschichte von dir?” Sie wollten, dass ich meine Geschichten an Verlage schicke. Aber die Verlage wollten sie nicht zusammen in einem Buch veröffentlichen, sondern nur Einzelgeschichten. Aber ich sagte: Alles oder nichts. Die Geschichten eines Schriftstellers sind wie die Kinder eines Menschen oder die Finger einer Hand. Welcher Finger ist wichtiger, welches Kind kannst du aufgeben? So kam mir die Idee mit dem Blog. Der Blog hatte 16.000 Leser_innen in den letzten vier Jahren. Das habe ich nicht erwartet. Jede Frau aus allen Sprachen und Ethnien kann in meinem Blog schreiben. Männer dürfen nur lesen! (lacht)

Haben Sie auch deutsche Texte in Ihrem Blog?
Es gibt zwei.

Haben Sie weitere Buchprojekte?

Ja. Das neue Buch heißt  „Kestane Kabuğundan Çıkınca“ (Wenn die Kastanie ihre Schale verlässt). Diesmal wird der Fokus mehr auf der Liebe und Sexualität von Frauen liegen.

Vielen Dank. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg als Schriftstellerin.

Text: Cansu Siret Ceylan – Foto: Li Zha (oben), Beate Strenge (unten)

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Buchautorin Ruhat (links) wurde von Cansu (rechts) interviewt.

 

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